KAHR-PROJEKT
Impulse für Resilienz und Klimaanpassung
Im Juli 2021 sorgten Starkregenfälle für weitreichende Überflutungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Dabei starben mindestens 180 Menschen. Auch die Infrastruktur vor Ort wurde stark beschädigt. Durch den Klimawandel nimmt die Häufigkeit von Starkregenereignissen und damit die Überflutungsgefährdung zu.
Das Projekt zur „Wissenschaftlichen Begleitung der Wiederaufbauprozesse nach der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen: Impulse für Resilienz und Klimaanpassung (KAHR)“ war Teil der BMBF-Initiative „Wiederaufbau und Anpassung“. Ziel war es, durch die Analyse von Schadensmustern und Vulnerabilitäten Erkenntnisse für den zukünftigen Umgang mit Hochwasserereignissen zu gewinnen. Die in den Projektregionen angewandten Methoden und Strategien für einen resilienten und klimaangepassten Wiederaufbau sollten, auch unter Berücksichtigung bestehender Interdependenzen, weiterentwickelt werden. Gleichzeitig wurden für den weiteren Wiederaufbauprozess wissenschaftliche Expertise bereitgestellt und bestehende Schutz- und Planungskonzepte ausgebaut.
Das HKC war von 2022 bis 2025 am KAHR-Projekt beteiligt.
Unsere Tätigkeiten
- Analyse von Gebäudeschäden in den Hochwasserregionen
- Entscheidungssystem für baulichen Maßnahmen zur Hochwasservorsorge
- Informations- und Beratungsveranstaltungen mit dem Starkregen- und Hochwasser-Infomobil
- Umfrage zur Identifikation des Hochwassergefahrenbewusstseins und des Informationsbedarfs für Eigenvorsorge der Bevölkerung
- Entwicklung eines Konzepts zur Risikokommunikation und neuer Informationsmaterialien
- Wissenstransfer und Vernetzung zwischen Wissenschaft, Kommunen und Bevölkerung
Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.
Weitere Informationen zum Projekt unter hochwasser-kahr.de/.
Projektergebnisse
Synthese- und Vernetzungskonferenz
Im November 2024 fand die Synthese- und Austausch-Konferenz des KAHR-Projekts statt.
Hier kamen die Projektpartner mit Akteur*innen aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft zusammen, um über die Projektergebnisse zu diskutieren. Es wurden zahlreiche KAHR-Produkte vorgestellt, darunter auch der Quick-Check und der Kinder-Workshop des HKC. Die Themenständen regten zum Austausch an und zahlreiche Workshops ermöglichten die Synthese verschiedener Themen in Kleingruppen.
Interaktive Broschüre für Bürger*innen
Die Broschüre „So schütze ich mein Haus – Starkregen und Hochwasser“ stellt in kompakter und verständlicher Form Maßnahmen zum Schutz von Bestands- und Neubauten für Bürger*innen bereit. Vorrangig richtet sich diese Broschüre an Besitzer*innen von Gebäuden. Sie ist besonders hilfreich für diejenigen, die ihr Gebäude gegen Überflutungsgefahren schützen und Risiken aktiv minimieren möchten. Die Broschüre enthält hilfreiche Informationen, Tipps und praxisnahe Anregungen, wie man ein Gebäude gegen solche Ereignisse schützen und potenzielle Schäden verringern oder vermeiden kann.
Die Veröffentlichung ist für den Sommer 2025 geplant.
Interaktive Broschüre für Kommunen
Die Erkenntnisse und Arbeiten im Projekt zeigten einen allgemeinen Informationsbedarf. Die interaktive Broschüre „Überflutungsrisiken kommunizieren, Eigenvorsorge stärken – Für eine resiliente Kommune in Zeiten des Klimawandels“ wurde im Jahr 2025 veröffentlicht und unterstützt kommunale Träger*innen öffentlicher Belange bei der Kommunikation von Überflutungsrisiken an und mit Bürger*innen. Zielgruppe der Broschüre sind Personen, die ein kommunales Amt innehaben, welches für die Überflutungsvorsorge relevant ist. Neben der Sensibilisierung für die Bedeutung geeigneter Risikokommunikation vermittelt die Broschüre die Praxisanwendung. So soll die Überflutungsvorsorge in einem Risikodialog zwischen Kommunen und Bürger*innen verbessert werden.
Risikokommunikationskonzept
Die Umfrageergebnisse und die Erfahrungen der Beratenden am KAHR-Infomobil zeigten große Wissens- und Bewusstseinslücken der Bevölkerung sowohl in Bezug auf das allgemeine Überflutungsrisiko als auch sinnvolle Schutzmaßnahmen und Verhaltensvorsorge auf. Es besteht jedoch eine grundsätzliche Offenheit für den Empfang von Informationen. Daher wurde ein Konzept zur verbesserten Risikokommunikation für das HKC erstellt, um damit die Eigenvorsorge der Bevölkerung zu stärken. Es ist über die Flutgebiete von 2021 hinaus übertragbar und anwendbar und kann auch anderen betroffenen Regionen als Vorlage für die Entwicklung ähnlicher Konzepte dienen. So können die Ergebnisse aus dem KAHR-Projekt in der Praxis genutzt werden, um Bürger*innen bei der Überflutungsvorsorge zu unterstützen.
Verbundstreffen
Im April 2024 fand das Verbundstreffen des KAHR-Projekts in Stuttgart statt.
Bei einem fruchtbaren Austausch wurden die finalen Projektmonate sowie die Abschlussveranstaltung, die in Köln stattfinden wird, geplant. Auch anstehende gemeinsame Veröffentlichungen standen auf der Tagesordnung.
Quick-Check
Der neue Quick-Check ist seit Januar 2024 auf der Hochwasser-Pass Webseite verfügbar.
Er wurde im Rahmen des KAHR-Projektes als Erweiterung zum Hochwasser-Pass entwickelt, um Hausbesitzer*innen innerhalb von 10 Minuten eine erste schnelle Einschätzung der Überflutungsgefährdung zu geben und anschließend gezielte Informationen zur Eigenvorsorge zur Verfügung zu stellen. Damit unterstützt das Tool die Information der Bevölkerung und bietet niedrigschwellige und kostenlose Informationen für alle, unabhängig davon, ob sie bereits von Überflutungen betroffen waren oder nicht.
Entscheidungsmatrix für Maßnahmen der Versickerungs- und Rückhaltungssteigerung
Im Jahr 2024 hat Antonia Hippel ihre Diplomarbeit im Rahmen ihres Studiums am Institut für Wasserbau und Technische Hydromechanik an der TU Dresden und in Kooperation mit dem HKC erfolgreich abgeschlossen. Die Arbeit im Rahmen des KAHR-Projekts beschäftigt sich mit der Analyse von Maßnahmen zur Steigerung der Wasserversickerung und -Speicherung auf Gebäudeebene und lässt sich hier finden. Mit den Ergebnissen dieser Arbeit wird das HKC im KAHR-Projekt weiterarbeiten. Wir bedanken uns für die großartige Zusammenarbeit und gratulieren zum erfolgreichen Abschluss des Studiums
Wissenschaft-Praxis-Dialog
Am 15. Juni 2023 fand der dritte Wissenschaft-Praxis-Dialog für den Wiederaufbau flutbetroffener Regionen statt. In der Reinhalle in Remagen disskutierten Wissenschaftler*innen des KAHR-Projekts zusammen mit Vertretern und Vertreterinnen des Landkreises Ahrweiler, dem Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität, Rheinland-Pfalz und der Leiterin des Traumahilfezentrums Ahrweiler.
Kinderbroschüre
Die Materialien des Kinderworkshops wurden zu einer Broschüre für Kinder weiterentwickelt. Mit dem Ziel der Förderung von Risikobewusstsein und einem frühen kreativen Kontakt zu Lösungsansätzen wollen wir Kindern mit dieser spielerisch den Weg von der Gefahrenerkennung hin zu einer ganzheitlichen Hochwasservorsorge vermitteln.
Die digitale Version kann im Download-Bereich heruntergeladen werden. In gedruckter Version ist die Kinderbroschüre kostenfrei an den Infomobilen erhältlich.
Kinderworkshop
Das Bewusstsein für das Risiko durch Hochwasser bildet den Grundpfeiler für richtiges und schnelles Handeln in Gefahrensituationen. Besonders wirkungsvoll ist eine Sensibilisierung dann, wenn sie so früh wie möglich ansetzte, etwa im Kindesalter.
Daher veranstaltete das HKC im Februar 2023 im Rahmen des KAHR-Projektes gemeinsam mit der Technischen Universität Dortmund, der Diakonie Katastrophenhilfe und den SkF Hochwasserhilfen einen Kinderworkshop zur Hochwasservorsorge. Die Kinder lernten zunächst spielerisch verschiedene Vorsorgemaßnahmen, unter anderem den Notfallkoffer, kennen, bevor sie selbst aktiv werden und hochwassersichere Häuser entwerfen durften. Abgerundet wurde der Workshop mit einer Urkundenverleihung an die frischgebackenen Hochwasservorsorge-Profis!
Der Workshop hat gezeigt: Kinder interessieren sich bereits sehr für Hochwasser und Möglichkeiten, sich selbst vor der Gefahr zu schützen. Bei den kreativen Aufgaben bewiesen sie, dass ihre Lösungen mindestens so sinnvoll sind wie die der Erwachsenen. Das Feedback, sowohl von Seiten der Kinder als auch von den Veranstaltenden, erwies sich als durchweg sehr positiv und zeigt einen Bedarf für einen Ausbau an kindgerechten Hochwasserschutz-Formaten auf.
Im weiteren Projektverlauf wurde das Workshop-Konzept weiterentwickelt. So kann der Workshop inzwischen von interessierten Institutionen selbstständig durchgeführt werden.
Das Material steht zum Download zur Verfügung.
Infomobil-Workshops
Zur Weiterentwicklung der Infomobile führte das HKC zwei Workshops durch.
Ziel des ersten Infomobil-Workshops war die Entwicklung einer Beratungstrategie mit Hilfe der Frage „Was wollen wir kommunizieren, mit wem und wie?“. In offener Runde diskutierten die 15 Teilnehmer*innen mit Hilfe einer SWOT-Analyse den aktuellen Stand der Infomobilberatungen, ihre Wünsche für die Zukunft und Möglichkeiten, die Beratung an den Infomobilen weiterzuentwickeln. Für die erarbeiteten Kommunikationsziele wurden anschließend Maßnahmen zur Umsetzung erarbeitet, die so vielfältig sind wie die Teilnehmenden und von weiteren mobilen Beratungsangeboten über regelmäßige Schulungen zu bestimmten Infomobil-Themen bis hin zu Erweiterungen der Infomobil-Ausstattung reichten. Nun wird überlegt, welche der Maßnahmen kurz-, mittel- und langfristig sinnvoll umgesetzt werden können.
Der Workshop bildete die Grundlage für einen zweiten Workshop, in dem konkrete Maßnahmen für ein "Infomobil der Zukunft" entwickelt wurden.
Umfrage - Gefahrenbewusstsein und Eigenvorsorgemaßnahmen
Im Rahmen der KAHR-Infomobil-Einsätze wurden von Mai 2022 bis April 2023 eine gemeinsam mit der Hochschule Koblenz enwickelte Umfrage zum Thema Gefahrenbewusstsein und Eigenvorsorgemaßnahmen durchgeführt. Es wurde untersucht, wie sich das Hochwasser-Risikobewusstsein in der Bevölkerung darstellt und was benötigt wird, um Eigenvorsorgemaßnahmen realisieren zu können. Neben der Analyse der entstandene Schäden an Gebäuden wurde der Einsatz des Hochwasser-Passes zur Stärkung der Eigenvorsorge untersucht.
Die Ergebnisse der Umfrage, an der sich 773 Personen beteiligten, zeigten große Wissens- und Bewusstseinslücken sowohl in Bezug auf das allgemeine Überflutungsrisiko als auch sinnvolle Schutzmaßnahmen und Verhaltensvorsorge auf. Auf Basis dieser Ergebnisse wurde das Risikokommunikationskonzept entwickelt.
Starkregen- und Hochwasser-Infomobil
Im Rahmen des KAHR-Projektes wurde ein Infomobil entwickelt, welches als mobile Informationseinheit die Aufgaben der Aufklärung über die Gefahren von Hochwasser und Starkregen sowie der Information über Schutzmaßnahmen übernahm. Damit brachte das HKC Hochwasserschutz zum Anfassen in die Projektregionen. Das KAHR-Infomobil beinhaltete Exponate und Materialien aus allen Segmenten des HKC, anhand derer beispielsweise über mögliche bauliche Schutzmaßnahmen oder Verhaltensvorsorge informiert werden kann.
Darüber hinaus diente das KAHR-Infomobil der Sensibilisierung der Bevölkerung sowie der Gemeinden für die Themen Hochwasser und Starkregen im Allgemeinen. Dabei sollten der Informationsbedarf und die Informationsweitergabe vor Ort evaluiert werden.
Nach Projektende wurde das KAHR-Mobil vom HKC übernommen und ist inzwischen bundesweit im Einsatz. Eine Buchung ist hier möglich.